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Wehrgangkirche zu Mittelsaida

Befährt man die Bundesstraße 101 von Freiberg kommend in Richtung Marienberg, so liegt auf halber Strecke das Dorf Mittelsaida. In diesem Ort hat sich eine der vier Wehrgangkirchen des Erzgebirges erhalten. Bis zum Beginn der Sanierung waren die typischen Merkmale dieser Kirchen in Mittelsaida kaum noch wahrnehmbar.

Die Verschieferung der Blockbohlenwände, die rückgebauten Abfangungen unterhalb des Wehrganges und eine Überbauung des ursprünglich rechteckigen Grundkörpers auf der Nordseite nahmen dem Gotteshaus seinen Charakter und ließen seine ursprüngliche Funktion nur noch erahnen. Die vermutlich nach den Hussitenkriegen um 1450 errichtete Kirche diente neben religiösen Zwecken auch dem Schutz der Bauern sowie der Paßstraßen, welche ins böhmische Land führten.

Keller

Angedachtes Ziel der Baumaßnahme war die Umstellung der Glockenläutung vom Handbetrieb per Seil auf eine elektrische Ansteuerung der Glocken. Durch Herrn Prof. Kempe aus Dresden wurde die mangelnde konstruktive Ausbildung des Glockenstuhles angesprochen. Zu überdenken war ebenfalls die Lastabtragung der Glockenkräfte über Abstrebungen auf den Unterbau. Nach eingehender Bestandsaufnahme erstellte unser Büro einen Maßnahmenkatalog, welcher Arbeiten enthielt, die weit über oben genanntes Ziel hinausgingen.

Als statische Maßnahmen wurden ausgeführt:

Unterfangung der Blockbohlenwände im Kragarmbereich durch Klebepfosten und Bügen, welche vermutlich im Zuge der Fenstervergrößerung im 18. Jahrhundert rückgebaut worden waren. Weiterhin erfolgte der Einbau zweier neuer Hängewerke aus verleimtem Brettschichtholz zur Verbesserung der Lastabtragung der Dachreiterkräfte und zur Entlastung der beiden bereits vorhandenen Hängewerke. Eine vollflächig aufgebrachte Nut- Feder- Schalung dient zur sicheren Aufnahme der Dacheindeckung.

Gartenseite 1

Im Wesentlichen wurden nachfolgend aufgeführte Arbeiten an die entsprechenden Gewerke vergeben.

Bei den Zimmmererarbeiten lag das Hauptaugenmerk auf der Instandsetzung der Holzkonstruktion, bis hin zum Ausbau der durch Fäulnis geschädigten Blockbohlenwand auf der Süd- und Westseite der Kirche. Weitere Arbeiten waren der Rückbau des Mansardhäuschens, welches den Schornstein aufnahm, die Abnahme des Dachreiterhelmes mittels Kran und Sanierung desselben, Sanierung der Glockenstube und Einbau eines neuen Glockenstuhles aus Eichenholz.

Das darin formulierte Anliegen bestand darin, die im Laufe der Jahrhunderte durch verschiedene Umbauten bedingten Schwachpunkte der Konstruktion so zu sichern, dass das Bauwerk langfristig erhalten wird. Trotz umfangreicher Eingriffe wurde versucht, nur das Nötige, und nicht das Mögliche zu tun, um somit auch bautechnische Entwicklungen ablesbar zu lassen.

Sämtliche Dachflächen wurden mit mittels Thüringer Schiefer in altdeutscher Deckung eingeschiefert. Einblechungen an Dachreiterhelm, Uhrentürmchen sowie die Dachentwässerung wurden in Kupfer ausgeführt.

Strassenansicht 1 Strassenansicht 2
Gartenseite 2
Voraussetzung für alle diese Arbeiten war ein imposantes Gerüst. Zwei Gerüsttürme an der Nord- und Südseite der Kirche nahmen quer zum Dachfirst gespannte Fachwerkträger mit einer Spannweite von 20,0 m auf. Über diesen Trägern ging das eigentliche Dachreitergerüst auf. Auf eine Absteifung über das Kircheninnere konnte somit verzichtet werden.
Eckvergalsung

Auch die "Spitze" der Kirche sollte einer Sanierung nicht entgehen. Eine zweifache Vergoldung aller Bekrönungsteile bietet dauerhaften Schutz vor Witterungseinflüssen. In Anlehnung an das Original aus dem Jahre 1859 wurde die Windfahne neu gefertigt.

Nach Beendigung der oben genannten Arbeiten im November 2002 wurde ab Frühjahr 2003 die Außenfassade neu gestaltet. Damit ist nun die Wehrgangkirche Mittelsaida rein äußerlich wieder im Bunde mit Ihren drei Schwestern vereint.